Vier Fragen an Kai Reinhard

Veröffentlicht von Angelina Niederprüm am 02.03.21 13:17

Kai Reinhard ist Dipl. Ing. für Automatisierungstechnik und Abteilungsleiter der GEBHARDT StoreWare®. Mit mehr als 16 Jahren Berufserfahrung liegen seine Kernkompetenzen klar in der Automatisierung von Förder- und Lagertechniken mittels innovativer Lagerverwaltungs-, Materialfluss- und Visualisierungssysteme. In der neuen Ausgabe „Vier Fragen an ...“ spricht er über die Anforderungen einer erfolgreichen Implementierung und warum die Softwarearchitektur als digitales Herzstück in der Intralogistik zählt.

 

Der Trend hin zu einem Mix aus verschiedenen Lagersystemen und einer kompletten Digitalisierung hat zwar Vorteile bei der Bereitstellung der Güter, doch stellt auch viele Kunden vor Herausforderungen bei der Steuerung, Kontrolle und Übersicht Ihrer Prozesse. Der Softwarearchitektur wird somit eine immense Rolle zugeteilt. Was sind hier die Vorteile einer Automatisierungslösung mit Lagerverwaltungssystem?

Reinhard: Eine Lagerverwaltungssoftware implementiert zunächst den Gedanken, dass diese nur für die reine Verwaltung von Lagerbeständen dienlich ist, das ist aber so nicht ganz richtig. Heutzutage ist das Spektrum von IT-Lösungen nicht mehr nur auf das Lager konzentriert, sondern auch auf die vor- und nachgelagerten Prozesse wie z.B. im Wareneingang und/oder Versand.

Unter dem Mix aus verschiedenen Lagersystemen und dem daraus resultierenden Trend verstehen wir, dass beispielsweise ein Kleinteilelager mit Shuttlesystemen und ein Palettenhochregallager mit Regalbediengeräten implementiert wird, welche die Softwarearchitektur vor verschiedene Herausforderungen stellt. Hier ist auf eine Softwarelösung wie die GEBHARDT StoreWare®, welche alle Prozess- und Lagerschritte automatisiert, kontrolliert und steuert, nicht zu verzichten, um einen effektiven und fehlerfreien Ablauf in den Lagern zu gewährleisten.

Kernaufgabe der GEBHARDT StoreWare® ist die Koordinierung und Optimierung aller Aufgaben. Sie koppelt verschiedene Logistikprozesse und Systeme miteinander, um allen Transport- und Lageraufgaben gerecht zu werden und für ein intelligentes Zusammenspiel der unterschiedlichen Lagersysteme zu sorgen. Das GEBHARDT Materialflusssystem sorgt für die optimale Ausnutzung der Leistungsfähigkeit des Produktportfolios.  

 GEBHARDT Cheetah heavy Palettenregalbediengerät

 

In Zeiten von Industrie 4.0 sind Softwaresysteme immer mehr gefordert, Informationen schnell und intuitiv bereitzustellen. Wie stellen wir die Zukunftsfähigkeit der GEBHARDT StoreWare® sicher, sodass sie unseren Kunden auch in zehn Jahren den wirtschaftlichen Vorteil bringt?

Reinhard: Die Vorteile einer Lagerverwaltungssoftware und deren Erfolg in Unternehmen ist von Weiterentwicklung und Effizienzsteigerung abhängig – nur ein gutes Produkt zu entwickeln und es zu implementieren reicht nicht. Die Anforderungen in der Intralogistik ändern sich ständig, daher muss sich auch die Softwarearchitektur mitverändern, um weiterhin den wirtschaftlichen Erfolg zu sichern.

Um mit dem digitalen Fortschritt mithalten zu können, ändern sich die Aufgaben und Prozesse dahingehend, dass viele Unternehmen auf eine ganzheitliche automatisierte Softwarelösung umstellen und viele Prozesse dadurch nicht mehr manuell ausgeführt werden. Unsere Aufgabe ist es, die Softwarelösungen immer weiter den Herausforderungen in den Lagern anzupassen, die auftretenden Trends wie z.B. Same-Day-Delivery, wahrzunehmen und diese dann entsprechend in und mit unseren Systemen umzusetzen.

Ein großer Vorteil ist hier die Bereitstellung von Daten, um schnell und intuitiv handeln zu können. Durch den modularen Aufbau der GEBHARDT StoreWare® erhalten unsere Kunden den Vorteil einer integrierten Softwareplattform und damit resultierend auch die zentrale Bereitstellung aller Daten durch die verschiedenen Softwaremodule. Industrie 4.0 ist die Lösung, um der wachsenden Komplexität in der Intralogistik entgegenzutreten. Die GEBHARDT StoreWare® in Kombination mit der GEBHARDT Galileo IoT® Plattform bietet unseren Kunden schon heute die Möglichkeit, vollständige Transparenz über alle Produkte, Artikel im Lager und der Prozessschritte zu erlangen. Damit reagieren wir auf den Wunsch nach fehlerfreien Arbeitsschritten, der Entlastung von Mitarbeitern und hin zu einer effizienten und flexiblen Lagerverwaltung.

 

Als Abteilungsleiter GEBHARDT StoreWare® steht für Dich der Bereich Steuerung & Software im Vordergrund Deiner tagtäglichen Arbeit – siehst Du diesen Bereich als Herzstück einer intralogistischen Anlage an und glaubst Du an ein Logistikleben ohne digitale Lösungen?

Reinhard: Als digitales Herzstück würde ich den Bereich Software & Steuerung innerhalb eines Lagers vielleicht schon bezeichnen – aber auch dies kann nur funktionieren, wenn alle Bereiche als ebenso wichtig angesehen werden. Eine Software kann nur gut sein, wenn alle Prozesse wie z.B. ein Fördertechnikmotor gemeinsam funktionieren.

Bei GEBHARDT sind wir daher in engster Absprache mit allen Teilbereichen, welche für ein gelungenes Projekt essenziell sind. Die Wege sind kurz und jeder weiß, ein Logistikleben ohne den anderen Fachbereich funktioniert nicht. Daher nein, ein Logistikleben ohne digitale Lösungen wird es in Zeiten von Digitalisierung und Industrie 4.0 nicht mehr geben.

Wir werden uns stetig weiterentwickeln, neue Produkte auf den Markt bringen, aber vor allem Predictive Maintenance und das Condition Monitoring ausbauen, um auch bestehende Anlagen mit geringen Erweiterungen für die Zukunft zu sichern. Was uns aber auch bewusst ist, ist das dieses Logistikleben auch nie vollends digital stattfinden wird. Das Zusammenspiel von Menschen und Maschinen, das Herausfiltern von den besten Eigenschaften aus beiden Welten und die daraus resultierenden Ergebnisse, sind und bleiben die Zukunft.

GEBHARDT StoreWare und GEBHARDT OLS

 

Was sind die wesentlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung einer LVS-Software? Was würdest Du zukünftigen Kunden auf der Suche nach der idealen und auf deren Bedürfnisse zugeschnittenen Softwarelösung raten?

Reinhard: Die Einführung einer Lagerverwaltungssoftware stellt ein Projekt dar, welches strukturiert werden muss. In ihrer Funktionalität muss eine Software den individuellen Gegebenheiten eines jeden Lagers gerecht werden. Zu Beginn ist es daher wichtig, sich die Anforderungen und Wünsche von Kunden zu formulieren. Diese sind dann in einem Lastenheft niederzuschreiben, welches als Basis dient, um eine geeignete Software zu finden. Keine Software kann sofort alle Bedürfnisse des Kunden erfüllen und muss individuell angepasst werden. In diesen Anforderungen an eine Softwarearchitektur sollten nicht nur die Funktionen, sondern auch weitere Informationen zur IT-Landschaft sowie verfügbare Kunden- und Artikeldaten und deren Attribute stehen.

In diesem Prozess ist die Zusammenarbeit zwischen den Logistikplanern und den IT-Verantwortlichen sehr wichtig, damit die intralogistischen Lösungen mit der Software harmonieren. Bei GEBHARDT haben Kunden den Vorteil, dass Mechanik, Steuerung und Software aus einem Haus kommen und wir damit ein funktionierendes Gesamtsystem anbieten können. Wichtige Schnittstellen zwischen ERP, Lagerverwaltung, Materialflusssteuerung und SPS sind bei uns standardisiert und stellen schlussendlich keine Herausforderung mehr dar.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass ein realistischer Terminplan erstellt wird, indem die Integration der Software, die Tests und die nachgelagerten Systemoptimierungen berücksichtigt werden. Abschließend kann ich sagen, dass Kunden mit der GEBHARDT StoreWare® eine bewährte standardisierte Software erhalten, welche trotzdem individuell auf jeden Kunden angepasst werden kann.

Kategorien: Insider, Industrie 4.0, Zukunft, Nachhaltigkeit, Entwicklung, Expertenwissen, Interview, Ausblick, Smart Warehouse, Interne Logistik, Visualisierungssystem, Lagerverwaltungssoftware, Materialflusssystem, GEBHARDT StoreWare

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Kai Reinhard, Abteilungsleiter GEBHARDT StoreWare®, GEBHARDT Intralogistics Group

 

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